Wasserkraftwerke

@Voith Hydro

Erneuerbare Energien tragen dabei mittlerweile mehr als 25 % zur globalen Stromproduktion bei. In Folge des weltweit steigenden Energiebedarfs prognostizieren Branchenkenner einen weiteren Anstieg der Stromgewinnung aus Wasserkraft.

Der weltweite Energiebedarf steigt trotz aller Fortschritte bei der Verbesserung der Energieeffizienz weiter an. Vor allem in wachstumsstarken Regionen wie etwa Südostasien und Afrika nimmt der Verbrauch rapide zu.

Erneuerbare Energien tragen dabei mittlerweile mehr als 25 % zur globalen Stromproduktion bei. Unter den erneuerbaren Energien dominieren im Zubau Windkraft und Solarenergie, bei der installierten Kapazität ist die Wasserkraft weiterhin führend. Laut dem aktuellem Statusreport der International Hydropower Association erreichte die Stromerzeugung aus Wasserkraft 2019 etwa 4.200 Terrawattstunden (TWh).

Die Gestehungskosten für Solar- und Windkraftanlagen sind mittlerweile vergleichbar mit denen der etablierten Wasserkraft. Gleichzeitig steigt im Zuge des Ausbaus von Wind- und Solarenergie insbesondere die Nachfrage nach Pumpspeicherkraftwerken. Diese Anlagen tragen in starkem Maße zur Netzstabilisierung und Versorgungssicherheit bei, indem sie Schwankungen in den Energiesystemen, die durch die Einspeisung von Strom aus volatilen Quellen hervorgerufen werden, ausgleichen.

Das Wirtschaftswachstum in Europa schwächte sich 2019 deutlich ab. Dementsprechend offenbart der Blick auf den europäischen Wasserkraftmarkt ein heterogenes Bild: Mit einer neu installierten Kapazität von 2,2 Gigawatt (GW) bewegte sich der Zubau auf eher niedrigem Niveau. Geprägt wird der Wasserkraftmarkt in Europa insbesondere durch Modernisierungs- und Serviceprojekte. Größter Produzent von Wasserkraft in Europa ist Russland, gefolgt von Norwegen und der Türkei.

Asien war 2019 erneut für einen wesentlichen Teil des globalen Wirtschaftswachstums verantwortlich, auch wenn sich die Dynamik in einigen Ländern spürbar abgeschwächt hat.

Vor allem China treibt den Ausbau der erneuerbaren Energien politisch gewollt konsequent voran und baut in diesem Zusammenhang die Möglichkeiten für eine sogenannte nachhaltige bzw. grüne Finanzierung aus. Momentan erzeugt die Volksrepublik etwa 17 % ihres Stroms auf Basis von Wasserkraft und weist eine installierte Kapazität von 352 GW aus, mehr als jedes andere Land der Welt.

Gleichzeitig steigt der Stromverbrauch Chinas seit Jahren kontinuierlich an. Um die Sicherheit der Stromversorgung und die Netzstabilität auch zukünftig zu gewährleisten, setzt China in erster Linie auf große Pumpspeicherkraftwerke. In Japan, dem zweitwichtigsten Wasserkraftmarkt in Asien, ist hingegen eine gleichbleibend hohe Nachfrage nach Kleinwasserkraftwerken zu beobachten.

Brasilien verfügt mit 104 GW über die zweitgrößte installierte Wasserkraftkapazität weltweit. Nachdem in den vergangenen Jahren wirtschaftliche und politische Krisen Investitionen behindert hatten, nehmen die Modernisierungs- und Serviceaktivitäten seit der Vergabe von Lizenzen an chinesische und europäische Energieerzeuger durch den brasilianischen Staat seit 2017 wieder zu.

Die US-amerikanische Wirtschaft entwickelte sich 2019 trotz der weltweiten Konjunkturabkühlung vergleichsweise robust. Insofern bleiben die USA und Kanada weiterhin wichtige Märkte für die Anbieter von Wasserkraftanlagen. In den USA sollen bis zum Jahr 2040 rund 6 GW zusätzliche Leistung installiert werden und auch Kanada plant die Inbetriebnahme von drei neuen Großkraftwerken in den kommenden fünf Jahren.

Afrika verfügt über ein enormes technisch nutzbares Wasserkraftpotenzial: Schätzungen belaufen sich auf über 445 GW für den gesamten Kontinent. Die gegenwärtig installierte Kapazität beträgt mit 36 GW nicht einmal ein Zehntel dieses Volumens, wodurch Afrika den weltweit höchsten prozentualen Anteil an bisher unerschlossenem Wasserkraftpotenzial aufweist.

Viele afrikanische Staaten wollen dieses Leistungsvermögen nutzen und forcieren den Bau neuer Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energie aus Wasser. Vor allem in abgeschiedenen Regionen haben Kleinwasserkraftwerke eine besondere Bedeutung, da mit ihnen ein schneller Aufbau dezentraler Stromnetze möglich ist. Ferner kann es Staaten wie etwa Angola, Äthiopien oder Mozambique durch den Ausbau länderübergreifender Stromnetze gelingen, den Export von Strom zukünftig als Wirtschaftsfaktor zu etablieren.

Positiv entwickelte sich 2019 der australische Markt. Die nationale Energiewende hin zu mehr erneuerbaren Energien wird in rasantem Tempo vorangetrieben. Die bisher genutzten Kohlekraftwerke sind häufig überaltert, so dass viele dieser Anlagen im Rahmen von international eingegangenen Klimaschutzverpflichtungen stillgelegt werden sollen. Vor allem die erneuerbaren Energien wie Wind-, Solar- und Wasserkraft, die bereits heute 17 % des Stroms in Australien liefern, sollen diese Lücke schließen. Zur Gewährleistung von Netzstabilität und Versorgungssicherheit erlangt vor diesem Hintergrund die Pumpspeichertechnologie eine immer größere Bedeutung.

In Folge des weltweit steigenden Energiebedarfs prognostizieren Branchenkenner einen weiteren Anstieg der Stromgewinnung aus Wasserkraft. Dennoch wird die aktuelle Geschäftslage zurückhaltend beurteilt. Nach wie vor kämpfen die im VDMA organsierten Anlagenbauer mit einer hohen Wettbewerbsintensität im globalen Markt für Wasserkraftwerke.

Die digitale Transformation rückt daher zunehmend in den Fokus der Branche, die sich davon neue Möglichkeiten für eine stärke Differenzierung gegenüber der internationalen Konkurrenz erhofft. Zahlreiche digitale Anwendungen, mit deren Hilfe sich komplette Anlagen sowie deren Peripherie überwachen lassen und die die Sicherheit für Menschen, kritische Komponenten und die Umwelt verbessern, sind bereits im Einsatz.

Auch unterstützen neue Software-Algorithmen die Kraftwerksbetreiber dabei, zentrale Prozesse besser zu steuern und damit die Effizienz und Verfügbarkeit der vorhandenen Anlagen zu optimieren. Darüber hinaus entwickelt sich das Servicegeschäft zu einem wichtigen Standbein im Markt für Wasserkraftwerke.